Pferdetrick: Apportieren – Hol´s mir noch einmal

10 Nov

Gerade, wenn man „fusskranke“ Pferde geistig auslasten  möchte, bietet das Apportieren eine wirklich vielseitige Beschäftigungsmöglichkeit. Allerdings hat dieser Pferdetrick auch durchaus seine Tücken.

Beipackzettel – zu Risiken und Nebenwirkungen 😀

Es kann nämlich durchaus nach hinten los gehen, wenn man sein Pferd dafür belohnt, das es seine Zähne zur Hilfe nimmt. Nicht, daß das „edle Ross“ auf die Idee kommt, in Dinge hineinzubeissen, die einem lieb und teuer sind, wie z.B. Körperteile.

Bei meinen älteren Ponys ist das bisher nicht passiert, aber bei unserem „Junior“ Vinnie wäre ich mir da nicht so sicher. Der Gute ist schon mit meiner Gerte, sowie mit meinem Helm spazieren gegangen und sogar eine kleine Tube Wundcreme hat er mir schon aus der Gesässtasche gemopst  und ist damit losmarschiert. Komischerweise hat er auf mein scharfes AUS !!! gar nicht reagiert.
(Vielleicht muss er doch noch mal in die Welpengruppe !!! 😀

Und so sehr er es auch anbietet, Vinnie wird in nächster Zeit nicht apportieren lernen, denn es steht für ihn erstmal Grundausbildung auf dem  Stundenplan.

Das mag langweilig erscheinen, legt aber für den Basis für all den Unsinn, der ich mir sonst so einfällt.  Wenn die Fundament stimmt, dann immer ran an den Spass !

Meine Trainingsidee zum Apportieren 🙂

Zielsetzung:

Das Pferd soll angezeigte Gegenstände aufnehmen und bringen und natürlich auch wieder abgeben. Besonders praktische Gegenstände sind da natürlich „Gerte“ und „Handschuhe“. Allerdings sollte man da gerade am Anfang nicht seine besten Stücke ins Training mit einbeziehen. 😁

Kommando:

Hol´s

Signal:

Da fehlt mir noch ein differenziertes Signal – bisher zeige ich nur auf den Gegenstand.

Startpunkt:

Das Pferd steht vor dem entsprechenden Gegenstand.

Lernprozess:

  • Das Pferd schaut den Gegenstand an.
  • Der Gegenstand wird beschnuppert.
  • Die Zähne werden zur Hilfe genommen. .
  • Der Gegenstand wird aufgehoben.
  • Das Ross hebt den Gegenstand auf und gibt ihn in die Hand.
  • Das Pferd hebt den Gegenstand auf und bringt ihn hinter einem her.
  • Der Gegenstand wird auf größere Distanz gebracht und in die Hand gegeben.   

 

Bei Ljosfari ging das Apportieren wirklich sehr gut und sehr schnell, dies ist aber nicht der Regelfall. Lasst euch also nicht entmutigen, bei Atli hat es 2 Woche gedauert und wir haben täglich zweimal trainiert. 🙂

Tips und Tricks

Üben solltet Ihr am besten auf einem festen, sauberen Untergrund. (Ich hab da nur keinen Kameramann.) Auf einem Reitplatz könnte das Pferd zuviel Sand aufnehmen und manche Vierbeiner mögen auch dreckige Sachen nicht ins Maul nehmen. Da macht man sich das Training unnötig schwer. Gerade am Anfang sollte der Gegenstand einfach zu packen sein und natürlich gross genug, das das Pferd ihn nicht verschluckt. In der Regel eignen sich Stoffe ganz gut, also Abtrockentücher oder auch Stoffbeutel, auch einige dicke, bissfeste Hundespielzeuge werden von manchen Pferden gerne ins Maul genommen. In die Tücher machen ich immer einen Knoten, dann haben die Ponys, was Handfestes zum Zubeissen.

Pferdetrick: Apportieren
Hab ich da etwas Sand zwischen den Zähnen ?

Atli´s Weg:

Als ich im Jahre 2007 mit Atli zum ersten Mal Apportieren geübt habe, hatte er sich unglücklich selbst in die Trachte getreten und musste alleine auf festen Grund stehen und ihm war sehr, sehr langweilig. Alle Zirkuslektionen, die ich damals kannte waren ungeeignet, weil er ja sich und seinen Huf schonen musste. Geclickert hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur mit meinen Hunden. Atli war also völlig  ahnungslos und ich war die Einäugige unter den Blinden… Zum Ersten scheiterte es daran, das Atli ein wirklich ganz großer Angsthase war und ist.  Tücher, die zu seinen Füssen liegen, stellen in den Augen des Ponys wahre Todesfallen dar, die auf kleine Fellnasen nur gewartet haben.

Die Angst besiegen

Hatte ich das Tuch in der Hand stand er mit weit aufgerissenen Augen und Nüstern und prustete immer schön den Sicherheitsabstand einhaltend in meine Richtung.  Gottseidank ist Schatzi verfressen 🙂 also hab ich Äpfel und Möhren auf den Stoffsack gelegt, möge die Verfressenheit die Angst besiegen. So war es dann auch! Vorsichtig, kam er angeschlichen, und klaubte die Möhren von der bösen Tasche. Dann habe ich die Möhre unter die Tasche gelegt und schließlich hinein. Als er dies, ohne Herzinfarkt, bewältigen konnte, habe ich einen Knoten in die Tasche gemacht, so das er nicht mehr selbst an die Möhrchen kommen konnte und fing an zu clickern. Natürlich reichte es ihm nicht die Leckerlis nach dem Click abzugreifen. Er wollte immer noch an die Möhren in der Tasche und als er merkte, das all sein Gepussel nicht zielführend war,  biss er schlussendlich hinein und war ziemlich verwundert über den Jackpot und meinen anschließenden Freudentanz. Der nächste Schritt war dann einen leeren Beutel zu seinen Füßen zu legen und ihn mit Click und Leckerchen dazu zu bewegen ihn mir zu reichen, das war dann für ihn aber nur noch ein kleiner Schritt.   

Dieser Weg war unser eigener und hat bei rabiateren Pferden, die vielleicht auch mal so einen Stoffbeutel zerreißen und/oder ihn mit den Hufen bearbeiten bestimmt seine Tücken. Bei meinem „Schäfchen“ hat es so halt so funktioniert. Heute gehen wir solche Aufgaben natürlich sofort mit dem Clicker an, aber damals waren wir halt noch nicht so weit.

Produkte:

Wir können den grossen Wirbel von Majordog sehr empfehlen,  den haben wir auch in unserer Spielzeugkiste. Er hat den Vorteil, das man kann ihn auch auf dem Reitplatz benutzen kann. Es zeigt immer ein „Arm“ nach oben und er lässt sich schnell und einfach reinigen.  Wenn Euer Pferd also nicht den Lappen schwingen möchte, wäre das vielleicht eine Alternative.

Weitere Spielideen:

  • Handschuh aufheben
  • Handtuch fangen
  • Spielsachen „aufräumen“
  • Tasche tragen

 

 

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