Pferde richtig loben – der Motivationskick

10 Mai

Pferde richtig loben – ehrlich, ernsthaft und von Herzen, das fällt uns Pferdemenschen unglaublich schwer…  Wir sind Fehlersucher – wir können einfach nicht aus unserer Haut. 

Ja, das Schulterherein sieht schon ganz schön aus, aber tritt der linke Hinterfuß nicht ein wenig kurz? Und ist das Pferd nicht zu weit abgestellt ? War denn überhaupt genug Biegung im Pferd?  und und und…. 

Das sind wichtige Dinge, die für die Gymnastizerung des Pferdes entscheidend sein können. Solche Details müssen in der Reiterei ausreichend beachtet und reflektiert werden.  Was diese Detailfragen aber nicht tun sollten, uns und unseren Rössern die Freude nehmen. Die Freude an dem Erreichten und auch die Freude an den Aufgaben, die noch vor uns liegen.  Pferde richtig loben – ist ein wichtiger Schritt um diese Freude nicht zu verlieren. Manchmal glaube ich sogar: Pferde im richtigen Moment und auch mit der richtigen Emotion loben zu können, ist der entscheidende Punkt in der Ausbildung  Es gibt da einige Hürden, die uns immer wieder ausbremsen: 

  • zu wenig Anerkennung…
  • das Lob kommt zu spät! 
  • Ich gebe zu wenig Feedback
  • das Lob ist halbherzig, weil ich noch zu viele Fehler an der Ausführung sehe
  • Die Belohnung passt nicht zum Pferd
  • ich lobe überschwenglich Dinge, die das Pferd eigentlich schon sehr gut kann…

Warum loben wir unsere Pferde so wenig?

Fragt man Reiter, warum sie Ihr Pferd gerade nicht gelobt haben, obwohl es sein Sache doch wirklich gut gemacht hat, kommt als häufigste Antwort: Ich habe mich so sehr darauf konzentriert, alles richtig zu machen.

Ich muss zugeben, das mir dies lange Zeit auch  passiert ist.  Gerade wenn ich Unterricht bekommen habe oder wenn ich in einer fremden Reithalle war. Bei meinen letzten Reitstunden habe ich aber gemerkt, das mir das Lob immer öfter automatisch über die Lippen kam. Ich will meinem Pferd einfach helfen, ihm sagen das es auf dem richtigen Weg ist. Ich müsste mich schon sehr konzentrieren um dies abzustellen. GottseiDank muss ich das bei meiner Reitlehrerin nicht. Es ist mir einfach in Fleisch und Blut übergegangen auf den richtigen Ansatz zu warten und den auch entsprechend zu kommentieren.

Wie einen 10 Jahre Clickertraining doch verändern können. Das heißt nicht, das in beim Trainieren ständig rede, eigentlich bin ich eigentlich sogar ziemlich still, aber wenn ich merke das meine Ponys mehr Unterstützung brauchen, dann werden sie auch schon mal angefeuert. Sie wissen dann sie sind auf dem richtigen Weg und setzen mehr Energie frei.

Das Timing muss stimmen…

Das wohl wichtigste  Kriterien für ein gutes Lob, ist der richtige Moment. Laut Wissenschaft haben wir nur 3 Sekunden, damit das Pferd unser Lob noch mit seiner entsprechenden Aktion verknüpfen kann, gibt es noch Ablenkung z.B.. durch andere Pferde in der Bahn ist die Spanne noch kürzer. 

Wer denkt so ein paar Sekunden machen nichts, dem empfehle ich Topfschlagen als Trainerspiel. Ich war mal  „Opfer“ in einem Versuch, bei dem der Trainer die Aufgabe hatte, wenn er „heiß“ sagen wollte, innerlich immer noch bis 5 zu zählen . Das heisst: Meine positive Bestärkung kam immer zu spät. Ich nichts ahnendes Opfer kam natürlich nicht hinter meine Aufgabe und war entsprechend frustriert!!! Auf gut Deutsch ich hätte meinem Gegenüber den Kopf abreissen können und ich bin eigentlich nicht leicht reizbar. Wie müssen sich unsere Pferde fühlen, wenn wir sie in eine Aufgabe stecken und sie einfach nicht zum Ziel kommen, weil wir das Timing versemmeln. 

Das Timing ist übrigens ein gutes Argument für das Clickertraining, denn durch den Click können wir unser Pferd sogar in dem Moment belohnen, wenn es am anderen Ende der Reitbahn ist. 

Wir loben zu früh

Wenn wir zu früh dran sind mit dem Loben, bekommen wir meist keinen Trainingsfortschritt, dies passiert aber deutlich seltener als zu spätes Loben.  

Mehr positives Feedback

Viele Reiter handeln auch nach dem Motto.: Nicht geschimpft, ist genug gelobt!  Diese schwäbische Sparsamkeit rächt sich sehr oft in zu kleinen Trainingsfortschritten oder aber in unmotivierten Pferden. 

Aus diesem Grunde habe ich zwei Lobwörter für meine Pferde: Ein „Richtig“ , das dient mir bei meinen Pferde als Brücke, heisst: Du machst alles richtig, weiter so, streng Dich noch mal an. Dann kommt das Erlösende „Gut“ und die Übung ist beendet und es gibt eine Pause, Kekse oder Streicheleinheit, am Boden auch gerne mal wenn Ihnen danach ist ein Laufspiel. 

Diese Doppelspitze bringt den Pferden eine Menge Motivation. Warum ist Personal-Training so effektiv? Weil jemand eins zu eins neben uns herläuft  und uns sagt: Du schaffst das !!! Du bist auf dem richtigen Weg !!! Nur noch eine kleine Anstrengung  und es ist geschafft!!! Das  gibt uns und auch unseren Pferden eben einen Motivationskick sich noch ein bisschen mehr anzustrengen. 

Das halbherzige Lob

Dabei haben wir uns alle schon einmal erwischt, es passiert eigentlcih sogar ziemlich häufig, wenn wir unsere Übungen nicht kleinschrittig genug aufbauen oder die Reihenfolge der Kriterien noch nicht ausreichend in unserem Kopf sortiert haben. Ein einfaches Beispiel ist das Rückwärtsgehen. Das Pferd geht rückwärts super, Wir loben, aber es ist schräg mit der Hinterhand ausgewichen, oder der Rücken war weggedrückt oder die Schritte waren nicht diagonal, oder, oder oder …. – wir finden 1000 Gründen, warum die Übung nicht perfekt war und warum unser Lob nicht überzeugend über unsere Lippen kann. Dies ist aus menschlicher Sicht sehr verständlich, aber das Pferd versteht nicht warum wir: War ganz „nett“ sagen. Wie gehen wir also mit solchen „Fehlern“ um. ohne zum „Nörgelfred“ zu werden.

Wir legen einmal unsere Kriterien fest

  1. Das Pferd geht rückwärts
  2. gerade
  3. diagonal
  4. es geht über den Rücken. 

Im Anfangstadium loben wir jedes Rückwärtsgehen, das wir durch ein Signal auslösen können und wenn es das Pferd auf zwei Beinen tut. Dann setzt die Differenzierung ein schiefes Rückwärtsgehen wird nicht mehr gelobt und so arbeiten wir uns durch unsere Kriterien. So können wir dem Pferd immer mit einer klaren Ansage weiterhelfen. 

 

Freut sich das Pferd über die Belohnung ?

 

„Die von uns gewählte Belohnung muss vom Tier aus,
als echte Belohnung empfunden werden. „

Marlitt Wendt 

Dieses etwas sperrige Zitat von Marlit erscheint uns auf dem ersten Blick natürlich vollkommen logisch, aber es hat doch so seine Tücken.  Ich habe zum Beispiel schon als Kind gelernt, Pferde lobt man durch Klopfen auf den Hals. Ich weiß heute, das Pferde dies nicht wirklich präferieren, aber trotzdem erwische ich mich hin und wieder beim begeisterten Halsklopfen. Meistens versuche ich dies dann noch mit einem Kratzen am Mähnenkamm rauszureißen, aber der Reflex war da.

Und ja ich weiß, das viele Pferde gelernt haben, das das Klopfen auf den Hals bedeutet, das sie etwas richtig gemacht haben und sie sich auch dann darüber freuen. Aber wie wäre würden sie sich freuen, wenn wir sie so loben würden, wie sie es wirklich möchten. 🙂 

Beim Futter kann ich eine Versuchsreihe machen und so herausfinden, welche Leckerlei der Vierbeiner den wohl bevorzugt. Aber wie sieht es mit Streicheleinheiten aus, wie finde ich heraus, welche Berührungen mein Pferd wirklich mag.

Es ist oft ganz witzig, ich komme oft zu Pferden, die Berührungen angeblich nicht so toll finden. Aber kaum fange ich an zu kraulen, stellt sich das Genießerpferd genauso hin, das man auch ja die richtige Stelle kratzt. 

Ich weiss nicht welcher Mensch, das Gerücht in die Welt gesetzt hat, das Pferd es lieben würden, wenn man ihren Kopf insbesondere die Stirn streichelt.  Ich weiß nur: Mein Pferd Atli hätte ihn dafür gesteinigt.  Er hasste es, wenn wildfremde Menschen ihm ins Gesicht fassten. Wenn alles passte, war meine Hand auf seiner Stirn, allerdings immer ein ganz wunderbarer Moment.

Belohnen mit einer Pause 

Die meisten Pferde werden mit Pausen belohnt. Wir fordern eine Anstrengung, das Pferd gibt sich Mühe und wir loben es indem wir den Druck rausnehmen und das Pferd entspannen darf bis zur nächsten Anforderung…..

Nur bei Clickerpferden ist das anders. Positiv bestärkte Pferd finden Pausen in denen sie sich kein Lob verdienen können, eher blöd. Aber auch sie brauchen natürlich Auszeiten, aber sie müssen, das Pause machen meist neu erlernen, zum Beispiel durch ein Entspannungsquadrat. 

Pferde richtig loben mit Futter

Der richtige Umgang mit Futterlob muss von Pferd und Mensch gleichermaßen gelernt werden. Viele Reiter füttern Ihre Pferde nicht aus Angst, es könnte zur Schnappschildkröte mutieren. Aber beherzigt man ein paar Regeln kann jedes Pferd lernen höflich mit Futterlob umzugehen.

Am besten geeignet ist dazu das Höflichkeitstraining, das Grundausbildung im Clickertraining gehört. 

Wenn das Pferd sehr euphorisch auf Futter reagiert, sollte man darauf achten, das das Futter nicht zu hochwertig für das Pferd ist. Zuckerfreie Leckerchen auf Heubasis wären so eine Alternative. Ich habe meistens zwei Sorten Leckerchen in meiner Tasche, ein „Normales“ und eins für das war „Supertoll“. 

Belohnen mit der Lieblingsübung 🙂

Viele Pferde haben eine Übung, die sie besonders gern zeigen. Bei Atli war das immer der spanische Schritt, den liebte er wirklich sehr. Ljosfari ist da energiesparender gestrickt bei ihm ist es gerne das Flehmen. Lustig ist auch, das er mich zum Training auffordert indem er z.B. Beine kreuzen zeigt. Das hat sich bei uns zum einem „Mach mal was mit mir !“ etabliert. Er hat übrigens auch ein Zeichen für „Kraul mich“, aber das ist wieder eine andere Geschichte…

Das Lob dem Ausbildungsstand anpassen…

3jährige werden überschwänglich dafür gelobt, das sie sich die Schuhe zu binden können. Wenn Sie dies bei einer 13jährige tun, fangen sie sich Blicke ein, die sie an Selbstmord denken lassen. Pferde sind da Gottseidank nicht so prätentiös. Trotzdem müssen wir,  wenn wir Ausbildungsfortschritte erzielen wollen, das Lob differenziert einsetzen. Zum Beispiel der Spanische Schritt, anfangs feiern sie Jubelarien, wenn der Youngster, auf Gertenzeig hin mit dem Bein zuckt, aber nach und nach muss er den Huf immer höher heben, um noch Freundenstürme zu erzeugen. Jubeln wir jedesmal wenn er mit dem Bein zuckt, werden wir über dieses Stadium nicht hinaus kommen. Steigern wir allerdings zu schnell unseren Anspruch oder nehmen gleich zwei Kriterien hinzu, erzeugt das bei Mensch und Vierbeiner schnell Frust. 

Pferde richtig zu loben. Ist also gar nicht so leicht, aber wenn man dann in das Gesicht des Pferdes schaut und dort auch Stolz und Zufriedenheit erblickt, dann ist man auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

Links: 

Ein sehr schöner Artikel über das Denken und Fühlen im Pferdetraining. Neues Wissen oder auch Techniken mit unserer Intuition in Einklang zu bringen und so für das Pferd authentisch zu bleiben, ist wohl die schwierigste Strecke auf dem unserem Wege. 

Sigrid Fürst legt in einem spannenden Blogartikel dar, warum sie auf Futterbelohnungen verzichtet.

In „Philippas Riesenportion Freude“ erzählt Jeannette Aretz wie es gelingen kann eine positive Stimmung ins Pferdetraining zu zaubern. 

Kommentar verfassen