Seelenpferd und Co…

20 Jan

Es gibt nicht einen Tag, wo ich meinen Newsfeed auf Facebook öffne und mir nicht ein Herzens – oder Seelenpferd entgegen galoppiert.

Ich gebe zu: Ich verdrehe dann immer ziemliche dramatisch meine Augen. Mir liegen solche Begriffe gar nicht. Noch nie bin auf die Idee gekommen meinen Pferden einen solchen Titel zu verleihen. Auch wenn damals der Paso-Hengst Almirante ziemlich nah dran kam. Ich habe ihn wirklich sehr geliebt und er war ein unendlich feines Pferd in genau dem doppelten Sinn der Bedeutung.

Warum ich mich mit dem inflationären Gebrauch dieser Wörter so schwer tue, weil es irgendwie Gott gegeben erscheint. Frei nach dem Motto. „Ich sass auf einer grünen Wiese und dann hat Gott ein Pferd geformt und mir in die Hand gedrückt und „für Dich“ gesagt“. Ich freu mich für jeden, der das so erlebt, aber meiner Meinung nach, ist dies sehr sehr selten.

Normalweise ist das so mit Pferd-Mensch-Beziehungen, wie es auch mit Mensch-Mensch-Beziehungen ist. Man muss Liebe investieren und Arbeit, Aufmerksamkeit sowie eine gewisse selbstkritische Reflexion und dann irgendwann kommt man zu einem Stadium, wo man sagen kann: Es läuft gut !!!

Seelenpferd oder doch nur gutes Training ?

Bei dieser ganzen Seelenpferd-Verherrlichung muss ich immer an eine Geschichte denken, die mir einmal Andrea Jänisch erzählt hat. Sie hatte eine Dame  in einem Kurs, die mit ihrem Pferd spanischen Schritt üben wollte. Er hätte die Lektion wohl verstanden, die Ausführung wäre aber trotzdem mässig. Andrea, erzählte wie sie sich eine ganze Runde lang zu Affen machten und auch die kleinste Idee von Bein hoch begeistert feierte. Die Besitzerin fühlte sich anfangs ziemlich vorgeführt, um nicht „verarscht“ zu sagen. Aber Andreas aufrichtige, fröhliche, motivierender Begeisterung verfehlte nicht ihr Ziel. Das Pferd wurde immer größer und der spanische Schritt immer ausdrucksvoller. Auch hier hätte man sagen können: „Andrea hat ihr Herzenspferd gefunden, weil die Stute so extrem positiv auf sie reagierte.“  Eigentlich lag diesem Umstand, aber nur Andrea Erfahrung zugrunde, das in einer solchen Ausbildungssituation begeistertes  anfeuern ein adäquates Mittel ist, um gute Erfolge zu erzielen.

Und da liegt für mich oft das Problem. Wir kaufen mit ein Pferd, hoffentlich  mit dem guten Gefühl, das es zu uns passen könnte. Aber anstatt in Training, guten Unterricht und weitere Fortbildung zu investieren, glauben immer mehr Menschen, ihr Herzenspferd müsse Gedanken lesen können und wenn es diese Gabe (noch) nicht beherrscht, ist die Enttäuschung groß.

Pferdetraining soll Freude machen und zwar Beiden !!!

Deshalb glaube ich, das diese ganze Verherrlichung der Herzenspferde, viele Reiter in die Irre führt. Im normalen Leben ist Pferdeausbildung nämlich einfach Training. Ich gehe gut gelaunt zum Pferd und habe einen Plan, woran ich arbeiten möchte. Ich versuche mein Training so zu gestalten, das es meinem Pferd leicht fällt mir und meinen Ideen zu folgen. Außerdem arbeite ich an meinem Timing, so daß das  Lob wirklich im rechten Moment kommt und die Ponys erkennen: „He, das hat die Irre gewollt !!!.“ Ich freue mich aufrichtig und überschwänglich, weil es ja nicht selbstverständlich ist,  daß  das Pony mir auf meinem verschwurbelten Pfad folgt.

Pferde, die ganz feine Antennen für unsere Gefühlslagen haben, erkennen meine Freude und geben sie einem meist doppelt zurück. So potenziert sich Freude für beide Seiten Mensch und Pferd. Das ist das Gefühl, was mich süchtig macht, nach Pferdetraining und nicht die Suche nach dem einzig wahren Seelenpferd.

Da macht es mich oft traurig, das viele Pferde, die eben nicht „Seelenverwandten“ auf der Strecke bleiben. Wie oft stehe ich an einer Stalltür und habe das Gefühl, das Pferd, was vor mir steht, heisst „NEIN“  von „Lass das “ aus der „Runter von meinem Fuss„.

Viele Pferdemenschen, die ich so erlebe sind zu sehr damit beschäftigt zu registrieren und zu analysieren, was gerade nicht so gut klappt. Pferde werden oft mit ganz vielen „Neins“ und strengen Regularien so in die Schranken gewiesen, das die Beziehung zum Menschen eher an Wärter und Häftling erinnert, statt an Freundschaft.

Pferde brauchen keine Seelenverwandtschaft sondern nur ehrliche Freude am Miteinander,  Fingerspitzengefühl und Erfahrung in der Ausbildung von Pferden. Dazu gehört auch das kritische Hinterfragen der eigenen Fähigkeiten, wenn es eben mal nicht so läuft und  das Suchen nach jemanden, der es vielleicht besser weiss und kann.

Und by the way: Eine Beziehung muss auch nicht immer perfekt sein, um einen zu bereichern ….

 

Links: 

Atli war das erste Pferd, was ich mir wirklich ausgesucht und bewusst gekauft habe. Nicht unbedingt mein Seelenpferd, aber ein geliebter Freund, den meine Töchter und ich aus tiefstem Herz geliebt haben und vermissen.

Achtsamkeit ist ja so ein Modewort geworden und hat auch Einzug in die Pferdeausbildung gehalten. Akki vom Blog Führpferd hat dem Ganzen mal „nachgespürt“.

Tina hat ihrer Stute Wakonda einen so wunderschönen Abschiedsbrief geschrieben, der mich wirklich zu Tränen gerührt hat, denn auch Vernunftskäufe können durchaus unser Leben so unendlich bereichern und unser Herz berühren. ❤

 

One Reply to “Seelenpferd und Co…”

Kommentar verfassen