Folge mir – Target-Training für Pferde

4 Apr

Das Target-Training für Pferde bietet viele spannende Einsatzmöglichkeiten und ist wenn man mit dem Clicker arbeiten möchte, beinahe unverzichtbar.

Target bedeutet übersetzt Ziel. Der Target ist also das Ziel auf das sich das Pferd zu bewegen soll. 🙂 Als Target kann man verschiedene Gegenstände nutzen, wie z.B. Fliegenklatschen, Kochlöffel, Frisbees oder auch die eigenen Körperteile.

Als Pferdemensch kommt einem natürlich schnell die Idee eine Gerte als Target zu nutzen. Dies habe ich aber für meine Arbeit verworfen, weil auch andere Menschen mit meinem Pferden umgehen müssen. Es kann bei Hufschmieden und Tierärzten leicht zu Irritationen kommen, wenn das Pferd auf die Gerte zu geht, statt ihr zu weichen.  Daher weichen meine Pferde vor der Gerte, kommen aber auf den Target zu.

Welche Möglichkeiten bietet das Target Training ?

Gerade, wenn Freiarbeit mein Ziel ist, gehe ich gerne den Weg über das Target-Training. Ich bringe also meinem Pferd bei einem Gegenstand zu folgen. Ich halte das Target, dem neugierigem Pferd so hin, das es einfach seine Nase dran halten muss. Click und Keks. (Diese Übung eignet sich auch sehr gut zum Konditionieren auf den Clicker.) Nun verschwindet, das Target hinter meinem Rücken und taucht erst wieder auf, wenn das Pferd ruhig und konzentriert ist. Es ist wichtig das das Target immer wieder aus dem Sichtfeld des Pferdes verschwindet, denn das Auftauchen des Target, ist für das Pferd, das Signal. 

Wichtig hierbei ist, das der Target ein gut sichtbares abgegrenztes Zielfeld hat. Also z.B. die Klatsche bei der Fliegenklatsche. Das Pferd muss den Gegenstand genau dort berühren, nicht am am Stiel, ebenso wichtig, das Pferd darf nicht in den Target hineinbeissen. Verirren sich die Zähne doch mal ins Ziel, verschwindet das Target ohne Click und Futter wieder hinter dem Rücken und es gibt einen neuen Versuch. Sollte das Pferd penetrant versuchen in das Target zu beissen, gibt es eine kleine Auszeit. 

Achten Sie darauf, das sie das Target erst dann präsentieren, wenn das Pferd nicht bettelt, sonst belohnen sie dieses Verhalten mit. Das Target erscheint also niemals, wenn die Nase sich Richtung Mensch oder gar Richtung Futterbeutel unterwegs ist. 

 

Wenn dies gut klappt. halte ich das Target ein klein wenig nach links oder rechts. Dann höher und tiefer.

Wir setzten uns in Bewegung 

Findet die Pferdenase zuverlässig das Target. Ist es an der Zeit gemeinsam zu gehen. Ich mache also einen kleinen Schritt rückwärts, setzt sich das Pferd ebenfalls in Bewegung, ist ein Freudenfest angesagt. Dies ist nämlich oft eine große Hürde, die meisten Pferde denken sie müssten stehenbleiben und versuchen durch Strecken doch noch an das Target zu erreichen. Ist aber der erste Schritte getan, wird dies entsprechend gefeiert. Nun aber nicht ungeduldig werden. Machen Sie es Ihrem Pferd am Anfang nicht so schwer und üben sie mehrfach einen einzelnen Schritt. Dann steigern sie langsam zu zwei/ drei und mehreren Schritten gesteigert wird und schließlich auch ein Zirkel .

Wenn es so wirkt, als würde die Pferdenase magnetisch von dem Target angezogen, dann sind sie auf dem richtigen Weg. Je nach Pferdetyp bzw. Motivation kann man auch versuchen anzutraben oder zu galoppieren. Aber Vorsicht steigern sie die Anforderungen nicht zu schnell.

Wenn sie den Schwierigkeitsgrad erhöhen wollen, gehen sie doch mal Volten, Achten oder einen Slalom später sind auch Agility oder Trailhindernisse möglich 🙂

Target und Mensch trennen sich 🙂

Bei sehr motivierten Pferden versuche ich immer den Target von mir weg zu werfen. Dies ist für die meisten Pferde sehr schwierig, befinden sie sich doch in der Zwickmühle zum Mensch gehen oder zum Target. Wenn ich mit der Übung beginne, mache ich es wie immer meinem Pferd sehr einfach und lege den Target nur ein wenig von mir weg, so das das Pferd ihn locker erreichen kann, ohne sich von mir zu trennen, dann mache ich den Abstand immer größer, gerne als Dreick. Target, Pferd und Trainer. Später kann man den Target deutlich weiter werfen und sogar suchen lassen. Gerade für Senioren Pferde ein ganz großer Spass. 

Handtarget

Wenn das Target-Training gut funktioniert können Sie auch ihre Hand oder auch ihre Schulter als Target einsetzen. So folgt Ihnen Ihr Pferd überall hin. Mit dem Handtarget können sie Ihr Pferd auch heranrufen.

Beim Handtarget ist es wichtig, die Hand so zu halten, das keine Verwechslungen auftauchen können. So soll ihr Pferd zwar Ihrer Hand folgen, vielleicht sogar berühren, aber nicht hineinbeissen.

Vinnie hatte als er zu uns kam, sagen wir es mal freundlich: Eine ziemlich heftige orale Phase. 🙂  Er schaffte es wirklich nicht sein Maul eine Sekunde lang still zu halten. Immer brauchte er was zu knibbeln und zu knabbern, da kam ihm die Menschenhand gerade recht. Er hat nie bösartig gebissen, aber die Verwechslung Finger / Möhre ist ihm mehr als einmal passiert und da hatten wir ihn noch nicht geclickert.

Ich war mir auch lange nicht sicher, ob ich dieses Pferd wirklich clickern möchte. Aber ehrlich gesagt, ist mir nichts anderes eingefallen um dieses dauernde Lecken, Knibbeln, Beissen umzulenken. Also habe ich ein ruhiges Maul geclickert. Das waren zwei Tage Arbeit und seitdem nimmt er die Leckeren (meist) nicht mehr mit den Zähnen sondern, mit den Lippen. Ich habe meine Hand erst auf den Nasenrücken gelegt und immer wenn das Maul ruhig war, gab es einen Keks. Das hat er ziemlich schnell begriffen. Die Hand in der Kinngrube war noch mal eine ziemliche Klippe, aber seitdem wir die gut umschifft haben, war der Rest eigentlich nur noch ein Kinderspiel. Nun halte ich meine Hand hin und er legt sein ruhiges Maul hinein. Sieht für den nicht eingeweihten Zuschauer manchmal nach Betteln aus, aber seither haben sich die Ponyzähne nicht mehr in meine Hand verirrt.

Normalerweise sollte man eine Handhaltung wählen, die man sonst nicht so dringend bei dem Pferdetraining braucht, wie z.B. eine geschlossene Faust. Wenn dem Pferd, die Idee klar geworden ist, clicke ich meist nicht mehr die Berührung an der Hand sondern die Bewegung des Pferdes zur Hand. 

Damit ist es leicht möglich das Pferd auch über Entfernung heranzurufen. Anfangs sollten sie die Anforderungen, aber nur langsam steigern.  Sie führen machen einen Schritt und wenn das Pferd ihrer Hand folgt, click und Keks, steigern sie die Anforderungen langsam und wenn ihr Pferd in Stimmung ist, versuchen Sie doch mal einen kleinen Trab oder später auch mal Galopp. So legen sie den ersten Schritt zur Freiarbeit. 

Stimmkommando einführen

Normalerweise ist das Zeigen des Target, das Signal für : Berühre den Target. Ich möchte dieses Verhalten aber noch vielseitiger Nutzen, also führe ich das Kommando „Touch“ ein. Das Pferd wird nun nur noch belohnt, wenn es den Target nach dem Stimmsignal berührt. Das schafft am Anfang ein wenig Frustration, dafür kann der Target aber noch vielseitiger genutzt werden. 

Wenn das Pferd dies verstanden hat, wird es auf mein Stimmkommando „Touch“ den Target suchen. So kann ich z.b. Ein Pferd in den Anhänger schicken. Oder aber immer wieder neue Dinge zu Target‘s erklären und so auch ängstliche Pferde dazu bringen erschreckende Gegenstände mit der Nase zu berühren – so verlieren Plastikplane und Co ihren Schrecken.

Stationäres Target 

Sehr oft verwende ich bei zappeligen, jungen oder sehr ungeduldigen Pferden, das stationäre Target. Gerade wenn auch Medical Training machen möchte, ist dies sehr hilfreich als Kooperationssignal, aber davon noch später. 🙂

 

One Reply to “Folge mir – Target-Training für Pferde”

  1. Pingback: Ohr-Target - Ran an die Löffel :-) - Sabine van Waasen

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