Verladetraining mit dem Clicker

1 Okt

Ausgangssituation

Verladetraining mit dem Clicker geht das ? Und geht das auch mit Pferden, die eigentlich anders ausgebildet wurden. Beide Fragen kann ich nach den Erfahrungen in den letzten Jahren aus vollem Herzen mit „JA“ beantworten. Allerdings müssen die Menschen viel Arbeit investieren – bestes Beispiel ist Bertie.
Bertie steht bei uns am Stall – ist ein wunderschöner 12jähriger Quarter Horse Wallach mit einem ausgesprochen ruhigen und angenehmen Temperament. Er folgt brav, wenn manchmal auch ein wenig stoisch den Anweisungen seiner beiden Besitzerinnen. Bis zu dem Tag, an dem  Verladetraining auf dem Programm stand.

Er folgte den Beiden solange, bis er den geöffneten Hänger sah. Dann stemmte er alle viere Hufe fest in den Boden. Aber nicht nur das:  Auch der Ausdruck seiner Augen veränderte sich schlagartig.  Sein Blick kehrte sich nach innen. Ich weiss, dies hört sich esoterisch an, aber besser kann ich es nicht beschreiben. Er wirkte nicht ansprechbar und schien die Aussenwelt auszublenden und war eingefroren. All die Kommandos, die er sonst brav befolgte, blieben angesichts des Pferdehängers unbeachtet. Dieses sonst sagen wir mal, sehr stark futterorientierte Pferd, liess sich nicht auch nur in die Nähe des Pferdehängers locken. 

Natürlich kann man in solchen Momenten Druck aufbauen, aber dies habe ich, ihm seinen Besitzerinnen und mir erspart.  Denn es war klar; um den eingefrorenen Bertie zu bewegen, hätte es eine Menge Druck gebraucht – dies wollte keiner der Beteiligten. Ich weiss, es gibt da viele Praktiker, die die Meinung vertreten, da müsse das Pferd dann eben einfach mal durch.

Aber so möchte ich nicht mit Pferden arbeiten !!!

Niemand kann einem Menschen mit Spinnenphobie zwingen Spinnen zu ertragen. Solche Phobien abzubauen ist ein langer Prozess, indem der Mensch sich sehr kleinschrittig mit dem Objekt seiner Angst auseinandersetzen muss.

Aber was tun, mit dem vor dem Hänger eingefrorenen Bertie ?

Ich finde in einem solchen Fall, das Clickertraining perfekt. Denn richtig angewendete positive Verstärkung, macht aus parkenden Pferden, aktive Pferde. 

Trainingsidee: 

Bertie soll lernen einem Target zu folgen und so ruhig den Hänger gehen. 

Mit dem Target-Training beginnen

Wir stehen vor Bertie und halten ihm das Target hin. Die meisten Pferde berühren, die Scheibe schon allein aus Neugierde. Hierfür gibt es einen Click und eine Futterbelohnung (nur sehr kleine) denn dies ist ja keine sehr aufwendige Aufgabe. 

Sollte das Pferd versuchen in den Target zu beissen oder damit zu spielen – wird dies ignoriert. Es werden nur Berührungen mit geschlossenem Maul belohnt. Am Anfang waren wir bei Bertie noch etwas großzügiger, da er kein Pferd ist, das aktiv nach einer Lösung sucht. Er wird aber auch nicht aufdringlich oder gar unhöflich.

Bei genauem Beobachten merkte man sehr schnell, das Bertie anfing  das Target bewusst zu berühren. Nun machten wir die Aufgabe etwas schwieriger und hielten das Target etwas weiterseitlich.  Nun musste der  Gute sich ein wenig strecken. Dann in die andere Richtung , nach oben, nach unten immer so das er schauen musste: Wo ist das Target?  

Der nächste Schritt war den Target so zu halten, daß Bertie einen Schritt machen musste, um ihn  zu erreichen. Dies ist ein wirklich großer Durchbruch und wir sollten es unserem Pferd nicht allzu schwer machen. Folgt das Pferd also dem Target, dann gibt es eine Leckerlidusche und eine Art Freudentanz von seinen Menschen 🙂

Bertie ist zwar dem Futter sehr zugetan, traut sich aber nicht wirklich von alleine etwas anzubieten, also mussten wir ihn erst einmal mit der Idee vertraut machen, das Eigeninitiative sich lohnt. 

Deshalb mussten wir die Trainingsschritte sehr klein halten und die Belohnungsrate relativ großzügig gestalten, da sich sonst seine Motivation gerne verflüchtigte.  

Wir bewegen uns Richtung Pferdeanhänger

Nachdem wir das Training soweit ausgebaut hatten, das er schon einige Tritte mitmarschiert, verliessen wir die Reitbahn und gingen Richtung Pferdehänger, der abgekoppelt, harmlos auf der Wiese steht. 🙂

Erst waren seine Schritte unsicher und zaghaft, aber nachdem er erkannt hat, das es heute nicht darum gehen wird,  in den Hänger zu steigen, wurde er immer mutiger und zuversichtlicher. Das Target wurde an die verschiedenen Hängerteile gehalten und Bertie berührt sein Ziel ohne Furcht. 

Diesen wichtigen Schritt üben seine Besitzerinnen mit ihm, immer wieder vor dem normalen Training in der Bahn und Bertie entwickelt immer mehr Eigeninitiative und lernt auch er wird nicht gezwungen – er darf selber entscheiden – ob er sich dem Hänger stellt oder nicht. 

Nach dieser Vorarbeit hängte ich den Pferdehänger an und wir liessen die Rampe runter. Da ich in meinem Anhänger auch Heu hole, hatte ich das Innenteil entfernt und in der hintersten Ecke liegen noch zwei Reihen hochgestapelt einige Ballen Heu – an ernsthaftes Verladen war also nicht zu denken.  

Aber wieder sind wir mit Bertie geführt durch das Target immer um das Gespann herum gelotst. „Zufällig“ blieben wir neben der Rampe stehen und hielten das Target so, das er sich mit der Hängerklappe beschäftigen muss, ohne das Druck aufkam. 

Dabei wurde das Target eher spielerisch so angeboten, das die Nase die Rampe berührte. Bertie war auch sehr interessiert und nahm die Rampe mit der Nase genau unter die Lupe. 

Nun präsentierten wir ihm das Target so, das ein langer Hals nicht mehr reichte, sondern ein Huf auf die Rampe gesetzt werden musste. Um möglichst viel Druck rauszunehmen, hockte seine Besitzerin sich hin. Nach einigen Versuchen, ob ein bisschen Strecken nicht vielleicht doch reichen würde, gab sich Bertie einen Ruck und setzte einen Fuss auf die Hängerklappe. Riesenlob und Leckerli-Jackpott. 😀😀😀

Die Hängerklappe wird erklommen 🙂

Anschliessend schickten wir Bertie wieder von der Rampe runter und belohnten auch das ruhige Rückwärtsgehen Schritt für Schritt. Bertie ist nämlich nicht immer ganz trittsicher und es fällt ihm schwer verschiedene Untergründe und Höhen abzuschätzen. So ist das Rückwärtsgehen auf und von der Rampe runter für ihn auch ein schwieriges Unterfangen.  

Dann ein neuer Versuch und auch hier folgt Bertie fröhlich dem Target und ohne das wir uns versehen, ist schon ein zweiter Huf auf der Rampe. Grosse Freude mit viel  Lob und Futterbelohnung und wir beenden das Verladetraining, denn wir hatten eigentlich nur auf einen Huf gehofft und den zweiten geschenkt bekommen. 

Beim nächsten Trainingstag hatte ich das „Innenleben“ des Hängers nicht entfernt, weil wir ja eigentlich nur hofften, das Bertie auf die Rampe gehen würde. Aber irgendwie schien der Hänger (eben vielleicht dadurch) eine größere Bedrohung zu sein. Bertie folgte nur sehr zögernd dem Target und auch der Gesichtsausdruck war nicht so entspannt, wie bei den Trainingstagen zuvor. 

Ich dachte schon wir können von Glück reden, wenn er heute einen Fuss auf die Rampe setzt. Aber dann gab sich Bertie doch einen Ruck: Er setzte erst den einen Fuss und dann den zweiten Huf auf die Rampe. Grosse Erleichterung bei uns allen und der einstimmige Beschluss, das Training  heute zu beenden. 

Beim nächsten Trainingstag hatte ich die Trennwand wieder entfernt und Bertie traute sich wieder völlig entspannt mit beiden Vorderbeinen auf die Rampe. Wir gingen mit dem Target Schritt für Schritt immer ein kleines Stückchen rückwärts und wir stellten fest, wie beweglich Bertie doch ist und wie weit er sich tatsächlich strecken kann, ohne die Hinterhufe auf die Rampe zu bewegen 🙂

Gerade, wenn er so gestreckt stand, haben wir ihm Schritt für Schritt wieder ruhig von der Rampe geholfen, damit die vielen Wiederholungen im mehr Sicherheit geben und der Bewegungsablauf immer weiter eingeübt wird und er sich nicht bei unbedachten Rückwärtsgehen verletzt. 

Alle vier Hufe sind schon da… 

Und durch das immer und immer wieder bewältigen des Monsters Hängerklappe wurde er immer sicherer und zuversichtlicher. Hatten wir an diesem Tag auf nur auf ein Hinterbein gehofft auf der Hängerklappe gehofft, überraschte er uns und zog auch Bein Nr. 4 nach und inspizierte ausgiebig das Innnenleben des Anhängers und schaute noch mal genau nach ob meine Ponys nicht vielleicht doch das eine oder andere Leckerli vergessen hatten 🙂

Nachdem er am letzte Trainingstag so mutig sich mit allen vier Beinen auf die Rampe gewagt hatte, hofften wir dieses mal das er sich noch weiter in das Innere des Hängers vorwagen würde und wir wurden nicht enttäuscht. 

Schritt für Schritt folgte er dem Target und ging immer weiter in den Hänger hinein. Noch einfacher wurde es für ihn, als ich den kleinen Ausstieg vorne öffnete, das schien ihn noch mal mehr Zutrauen zu geben, auch der kleine Futtereimer, der als Jackpott dort auf ihn wartete, half ihm das Zögern zu überwinden.
Als er beim zweiten Versuch regelrecht in den Hänger stürmte, waren wir doch sehr überwältigt und beendeten das Verladetraining  nach dem sehr vorsichtigen Aussteigen. 

Momentaner Stand

Nachdem er beim letzten Mal so sensationell mitgearbeitet hatte, haben ich bei unserem jetzt letzten Training, die Abtrennung im Hänger gelassen. Und man sieht auf den Bilder durchaus das sich da wieder ein wenig Skepsis eingeschlichen hat. 

Aber er folgt dem Target sehr energisch, ohne zu zögern. Daraufhin legen wir den Strick um seinen Hals und liessen ihn „frei“ dem Target folgen. Wir bleiben nur rechts und links vom Hänger als Absicherung stehen. Auch das funktionierte zweimal ziemlich perfekt und reibungslos. Beinahe am schwierigsten ist das wieder Runtersteigen von der Rampe gerade mit den Hinterbeinen. Da ist er oft noch sehr unsicher und braucht sehr viel Zeit und Unterstützung. Wir machten an diesem Tag noch einen zweiten Versuch und als der auch hervorragend klappte, beendeten wir das Training. 

Weitere Trainingsschritte für das Verladetraining: 

  1. den Eingang noch mal verkleinern, indem man die linke Stange einhakt. 
  2. das Geräusch trainieren, das die Stange macht, wenn sie in die Halterung geht. 
  3. Das Schließen der Stange auf der eigenen Kruppe ertragen. 
  4. Schließen des Hängers ertragen
  5. Eine kleine Testfahrt absolvieren. 

 

Links: 

Das Target-Training lässt sich sehr vielseitig einsetzen. So kann man mit einem stationären Target  ganz wunderbar, das Stillstehen erarbeiten.

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