Wie klappt´s denn mit der Signalkontrolle ?

21 Nov

„Lach mal“ hat mein Pferd so schnell gelernt – er macht das jetzt immer wenn er mich sieht!“ Diesen oder so ähnliche Sätze hört man oft, wenn Menschen anfangen mit ihren Pferden Zirkustricks zu trainieren. Steht man dann unschuldig an einem Tor herum, bekommt man auch schon mal eine feuchte Pferdenase an der Wange und aus dem Off- erschallt des Besitzers Stimme: „Bussi kann er auch“ !!!

Ich gebe zu;  auch ich kann mich dem Charme dieser Blitzmerker nicht immer entziehen. Es macht mir Freude zu sehen, mit welcher Begeisterung sie ihre neu erlernten Kunststücke vorführen. Schwierig wird es für mich immer dann, wenn ich sehe, daß diese Pferde einen sehr hohen Stresspegel haben. Meist scannen sie immer ihren Besitzer ab, ob der nicht eventuell ein klitzekleines Signal gegeben hat. Sie wollen ja keine Gelegenheit verpassen. Sie sind wie kleine Duracell-Häschen, immer und immer wieder bereit ihr Können abzuspulen.

„Lach mal“ wird gerne mal zum Betteln genutzt 😀

Wenn man mit den Zirkustricks beginnt, ist man immer wieder begeistert, wie schnell die Pferde lernen. Gerade die kleinen Tricks, wie Kopfschütteln, Beine kreuzen oder Bussi geben, kann man oft in Nullkommanix erarbeiten. Allerdings steht man recht häufig vor dem Problem, das man die Geister, die man rief nicht mehr unter Kontrolle bekommt. Sehr, sehr gerne bieten Pferde all ihre Lieblingslektionen an und so mancher Schmied klagt sein Leid über Pferde, die ununterbrochen spanischen Gruss anbieten, während er eigentlich nur Hufe ausschneiden möchte.

Für viele Pferde ist das Erlernen von Zirkustricks, wie ein riesengrosser Kindergeburtstag. Es gibt Spass,  Lob und oft auch Futter im Überfluss. Da möchten die meisten Vierbeiner nicht ans Aufhören denken. So schlägt die anfängliche Begeisterung schnell in Stress um und auch der Mensch überlegt, wie er die Büchse der Pandora wieder schließen kann.

Die meisten Pferdemenschen stellen dann das Zirkustraining ein, weil sie diesen hyperaktiven Derwisch, der mal ihr ruhiges ausgeglichenes Geländepferd war, einfach im täglichen Umgang nicht mehr gemanagt bekommen.  Das ist sehr schade, hat man doch eigentlich gerade etwas gefunden, was beiden Seiten Pferd und Mensch so viel Spass macht.

Aber wie bekommt man die Duracell-Häschen in den Griff?

Da kommt die Signalkontrolle ins Spiel!  Das heisst das Pferd zeigt die Lektion, wenn ich das entsprechende Signal gebe. Das nennt man aktive Signalkontrolle und funktioniert bei Pferden, die ihre Lektionen mit Spass und Freude gelernt haben meist sehr gut.

Schwierig wird es meist bei der passiven Signalkontrolle, das heisst die Übung darf nicht gezeigt werden, wenn nicht vorher ein Signal gegeben wurde, das ist umso schwerer zu erreichen, je einfacher die Lektion für das Pferd ist.

So drückt mir Atli gerne mal ein Bussi auf, in der Hoffnung so schnell mal ein Leckerli abstauben zu können. Und seien wir ehrlich, auch wenn er mir kein Leckerli aus der Tasche zieht, gute Laune bekommt er als Lob auf jeden Fall zurück.

Passive Signalkontrolle verbessern, aber wie ? 

Nullposition

Einmal belohne ich ganz konsequent ruhiges, entspanntes Stehen, die sogenannte Nullposition. Wenn ich immer nur nur die spannenden Aktionen belohne, wird natürlich mir das Pferd natürlich immer wieder gerne Lektionen anbieten und nicht ruhiges Stehen. Es will ja schließlich das der Rummel los geht und der Rubel rollt.

Zuerst wird also ruhiges Stehen geübt. Steht das Pferd entspannt vor mir und bedrängt mich nicht, dann gebe ich ein Signal. Anschließend verlange ich wieder ruhiges Stehen und versuche darauf zu achten, das ich immer eine etwas andere Körperhaltung belohne. Denn ich will  ja weder Kopf tief oder die Beine fest in den Boden verstärken, sondern einfach nur ruhiges Stehen. Ich belohne das ruhige Stehen auch mit Click und Leckerchen:-)

Das funktioniert in der Regel sehr gut. Zwar werden immer wieder unaufgefordert Lektionen angeboten, aber das Pferd muss ja auch erst lernen, das es nur einen Keks gibt, wenn es auch vorher ein Signal gegeben hat, das erhöht die Konzentration beim Pferd aber ungemein.

Wenn sie sicher sind, dass Ihr Pferd das Signal „Mensch steht neben mir und verschränkt die Hände auf der Tasche vor dem Bauch verstanden hat und daraufhin zuverlässig die Nullposition einnimmt, können sie mit geringfügigen Modifikationen beginnen. Sie können mal eine und später beide Hände heben, am Kopf oder Maul vorbeiführen oder auch ihre Position verändern. Üben sie die Nullposition von beiden Seiten und füttern Sei mit beiden Händen. Ihr Pferd muss lernen, dass Ihre Hände und ihre Bewegungen keine Ankündigung für Futter sind und es weiterhin entspannt stehen bleiben soll.

Sylvia Czarnecki – „Ehrlich motiviert“  

 

Gegenspielerprinzip

Ohren-Target

Eine andere Möglichkeit, das inflationäres Zeigen von ungefragten Lektionen zu unterbrechen ist, das Prinzip der Gegenübung. Im Prinzip gibt es für jeglichen Spass einen drögen Gegenspieler. Zum „Lach mal“ z.B. „Kopf tief“,  Beine kreuzen, – stillstehen und zum Steigen,  das Kompliment, wenn wir uns mal in höheren Sphären aufhalten wollen.

Steht das Pferd also ständig flehmend vor mir, frage ich Kopf tief ab und sollte dabei auch mal ein ruhiges, entspanntes Stehen herauskommen, werde ich das selbstverständlich auch belohnen.

Denken Sie daran, das auch das Geben eines Signals, für ein sehr engagiertes Pferd eine Belohnung sein kann, schließlich möchte es ja seine Lektionen zeigen und Lob einfahren. Überlegen sie also gut: Wann Sie welches Signal geben !!!

 

Das Gemeine an der Signalkontrolle – es verlangt vom Menschen angeheuer viel Konsequenz.

Denn wir dürfen uns nicht von unseren Lieblingen einwickeln lassen. Wenn wir immer wieder das ungefragt gezeigte süsse „Bussi geben“ oder „Flehmen“ belohnen, wird das mit der passiven Signalkontrolle eher schwierig. 🙂

Aber auch wenn wir noch so überlegt und konsequent zu Werke gehen, kann es passieren, das das Pferd einen sehr hohen Stresslevel entwickelt, auch wenn es äußerlich scheinbar ruhig ist. Ein Tier, das immer auf die nächste Lektion immer auf das nächste Signal wartet, steht es mächtig unter Strom.

Es gibt da mehrere Möglichkeiten den Stresspegel nach unten sinken zu lassen. Einer meiner Lieblingsübungen dazu ist das Entspannungsquadrat, aber auch „Kopf tief“ helfen dem Pferd. Davon mehr in den nächsten Beiträgen.

Links:

 

Marlitt Wendt hat auf Ihrem Blog „pferdsein“ das Thema noch einmal von einer anderen Seite beleuchtet.

Zu dem Thema hat Ann-Christin vom Blog Ponyliebe schon einen ganz wunderbaren Artikel geschrieben.

 

One Reply to “Wie klappt´s denn mit der Signalkontrolle ?”

  1. Pingback: "Bussi geben" ist ein wunderbarer, sehr einfacher Zirkustrick.

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