Zirkuslektion: Spanischer Schritt

29 Mai

Weck den stolzen Spanier im Pferd…

Spanischer Schritt ist wohl einer der eindrucksvollsten Zirkuslektionen und vielen Pferde gibt diese Übung ungeheuer viel Selbstbewusstsein.  Was bei introvertierten Pferden, wie z.B. meinem Atli eine wirklich ganz tolle Idee war.  Deshalb ist es aber auch sehr sinnvoll, sich genau zu überlegen, wann und wie ein Pferd diese Übung lernen sollte. So fehlt zum Beispiel meinem Youngster Vinnie dafür im Moment noch die geistige Reife. Er muss damit noch ein bisschen warten, obwohl ich mir sicher bin, das er den Spanischen Schritt sehr gerne und sehr schnell lernen würde. Er fühlt sich halt gerne groß und da würde sein, sowieso nicht so kleines Ego wohl noch mal mächtig Rückenwind bekommen. Bevor Ihr also mit dieser Lektion beginnt, überlegt noch einmal genau:

  • Hat mein Pferd den Ausbildungsstand ?
  • Ist seine Persönlichkeit ausreichend  gefestigt ?

Unser Weg

Atli

Spanischer Schritt
Zirkuslektion: Spanischer Schritt

Mit Atli habe ich den Spanischen Schritt konventionell auf einem Zirkuslektionen-Kurs erlernt. Dabei wird das Pferd mit einer

Gerte touchiert, bis es das entsprechende Bein bewegt. Bei meinem kleinen „Sensibelchen“ hat das auch gut funktioniert. Schwieriger wird das bei Pferden, die Gertenzeichen gerne ignorieren, da muss dann das „Ärgern“ gesteigert werden. Das Problem bei dieser Vorgehensweise ist, das diese Abwehrreaktion schnell in Aggression umschlägt und man sich so gleich Aufstampfen und Drohgesten mit einfängt.

Bei Atli war diese Gefahr nicht so gross, dafür hat er andere Marotten entwickelt. So konnte beim spanischen Schritt auch schon mal die Pferdenase an dem Futterbeutel kleben, um eindeutig auf die „mangelhafte“ Belohnungsrate hinzuweisen. Das führte am Anfang schon mal zu einer etwas einseitigen Ausführung. 😉

Ljosfari

© by Ruhrgeknirpse
Zirkuslektionen

Bei Ljosfari habe ich mich lange gescheut mit dem spanischen Schritt zu beginnen, eben weil die Übung das Selbstbewusstsein ganz enorm pushen kann. Nun sind geringes Selbstbewusstsein und Introvertiertheit nicht unbedingt Ljosfari´s Problem, um es mal diplomatisch auszudrücken. Ich hatte schon Angst, das da Hengstmanieren aufflackern und uns bei allen möglichen Gelegenheiten ein Huf um die Ohren fliegt! Alle Befürchtungen waren jedoch völlig unnötig. Bisher hat er noch nicht einmal unaufgefordert spanischen Schritt gezeigt. Allerdings hatten wir auch versucht den Spanischen Schritt über Körpertarget´s einzufangen. Dies hat bei uns leider nicht so gut funktioniert, wie erhofft. Ich habe da eine gewisse Vorderhandlastigkeit mit hineingeclickt, die natürlich nicht förderlich war. Deshalb haben wir das Training, dann wieder ein wenig umgestellt.

Spanischer Schritt, wie ich ihn heute übe

Spektakulär, aber leider mit weg gedrücktem Rücken !

Ich möchte den spanischen Schritt auch für die Gymnastizierung nutzen, deshalb ist es wichtig, das das Pferd beim Auslösen der Beinhebung möglichst geschlossen steht, ansonsten passiert es schnell, das es den Rücken nach unten wegdrückt und so im Hohlkreuz dasteht. Das kann zwar sehr spektakulär aussehen, ist für mich aber nicht erstrebenswert.

Der Anfang

Ich habe mein Pferd an der Bande geschlossen aufgestellt und ich touchiere den Bereich oberhalb des Fesselkopfes. Jedes klitzekleinste Zucken wird gefeiert. Ich beginne immer bei dem für mich schwereren äußeren Bein, ganz einfach um zu verhindern, daß das Pferd mich aus Versehen trifft, wenn es mal einen Schritt auf mich zu macht. Nach ein paar guten Versuchen wechsele ich die Hand und touchiere wieder das äußere Bein an der Bande. Dies übe ich ein paar Einheiten bis das Touchieren umgehend zum Erfolg führt.

Manche Pferde stehen sehr stark auf dem äußeren Bein gerade, wenn ich innen neben ihnen stehe. Bei  kleineren Pferden übe ich dann gerne am Widerrist ein wenig Zug in meine Richtung aus, so belasten sie mehr das innere Bein und das äußere ist frei für Bewegung. 🙂

Es geht vorwärts

Kann ich Bewegung zuverlässig auslösen, beginne ich während der Beinhebung einen kleinen Schritt zu machen, dem das Pferd dann folgen wird. Ich halte meinen Schritt eher klein, damit das Pferd nicht zu stark auf die Schulter kommt. Nach dem überschwänglichen Loben gehen wir noch zwei, drei Schritte und stellen uns dann wieder in unsere Ausgangsposition für den spanischen Schritt und beginnen erneut. Umso mehr ich am Anfang auf das geschlossene Stehen achte, umso mehr wird es für das Pferd zur Routine, was den gymnastischen Wert dieser Übung deutlich steigert.

Anschließend übe ich ein paar Einheiten das innere Bein anzuheben, hier wirklich darauf achten, das das Pferd gerade bleibt und nicht auf einen zu tritt. (das passiert nämlich sehr schnell – gerade wenn man mit Leckerchen arbeitet) und ich wechsele immer die Hand damit beide Beine gleichmäßig trainiert werden. Wenn dies gut funktioniert, löse ich den Spanischen Schritt abwechselnd innen und außen aus.

Sicherheitshinweise !!!

Ich weiss viele Trainer beginnen indem sie vor dem Pferd stehen, dies mag eindrucksvollere Resultate erzielen. Ich habe dies für mich und meine Pferde verworfen, weil eben auch viele fremde Personen mit meinen Pferden hantieren und nicht alle wissen, wo sich da welche „Knöpfe“ befinden. Löst man versehentlich vor dem Pferd stehend, den spanischen Schritt aus, dann gibt es in den meisten Fällen blaue Flecken und/oder ein Aua-Knie. Stehe ich neben dem Pferd und zeigt ungewollt spanischen Schritt, passiert in der Regel nix. Ich übe spanischen Schritt auch nicht in der Stallgasse oder auf dem Anbindeplatz, obwohl dies bei Regen manchmal sehr verlockend wäre, ganz einfach um wirklich auszuschließen, das Tierarzt und Hufschmied von dem Ganzen behelligt werden. Da bin ich wirklich eisern. Auch wenn der pferdige Proband noch so schön mit dem Vorderbein winkt, werden dort diese Dinge komplett ignoriert.

Kommando: 

Am Anfang hatte ich den ehrgeizigen Plan, das jeweilige Bein mit den Kommandos „rechts“ und „links “ zu belegen. Ehrlich gesagt verheddere ich mich da immer wieder da ich ja auch gerne und viel die Hand wechsle.

Ich  werde bei meinem einfachen  „Step“ bleiben.

Signal:

Mein Atli war der Beweis, das man jedes Zeichen für jede Lektion nutzen kann. Ich habe für das linke Bein auf Höhe des Buggelenks an, für das rechte Bein tippte ich oben auf den Mähnenkamm. Ja, ich weiss da muss man auf erst mal drauf kommen.

Bei Ljosfari touchiere ich nun oberhalb des Vorderfusswurzelgelenks und das klappt auch schon ganz gut. Bei Vinur hat mir Dr. Christiane Gittner, den Tipp gegeben am Anfang möglichst weit unten zu touchieren, damit die Verwechslungsgefahr für das Rückwärts nicht so hoch ist. Ich bin mir ziemlich sicher, das wenn er den Spanischen Schritt einmal gelernt hat, ihn uns zu jeder Tages- und Nachtzeit vorführen. Da ist eine Verwechslung mit rückwärts doch eher unpraktisch.

Variationen:

Die Polka, da soll das Bein nur bei jedem dritten Schritt gehoben werden. Also links, schritt, schritt, Rechts, schritt, schritt, Links. Die Polka soll es dem Pferd erleichtern, die Hinterhand aktiv zu halten.

Was habt Ihr für Erfahrungen mit dem Spanischen Schritt ? Habt ihr auch Fehler eingebaut?

Der Spanische Schritt ist ein Schritt in leichter Versammlung, bei dem das Pferd die Vorderbeine wechselseitig möglichst bis zur Waagerechten erhebt und sie gestreckt wieder absetzt, ohne daß dabei das taktmäßige Gehen und der Raumgriff leiden. Seinen Ausdruck gewinnt er durch eine natürliche Aufrichtung, freie und geschmeidige Bewegungen der Vorderbeine aus den Schulter und energisches Abfassen der Hinterbeine.

aus dem Buch von Eva Wiemers „Zirzensische Lektionen“

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