Kooperationssignal: Der Angst den Schrecken nehmen….

23 Sep

Das Kooperationssignal  ist wohl das größte Tool, um Pferden die Angst vor furchteinflössenden  Dingen oder Handlungen dauerhaft zu nehmen.

Für uns Menschen ist es völlig normal, das sich unsere Pferde überall anfassen, mit Fliegenspray einsprühen, Satteln und vielleicht sogar mit einer lauten Maschine scheren lassen.

Für das Fluchttier Pferd ist das nicht ganz so selbstverständlich,. Vor allen Dingen dann nicht, wenn es schlechte Erfahrungen gemacht hat. In meiner Kindheit gab es in meiner Reitschule. die Trakehnerstute Sieka, bei der es  bis ins 10 Lebensjahr nicht möglich war gefahrlos die Hinterhufe auszukratzen, weil sie als Jährling eine schwere Verletzung hatte und eine schmerzhafte Behandlung über sich ergehen lassen musste.
Viele Jahre lehnten alle Hufschmiede, eine Bearbeitung ab, weil sie sehr gezielt  austrat. (Meine Kniescheibe kann heute noch ein Lied davon singen).

Die Sache mil der Spinne

Aber auch wenn es nicht so einschneidende Erlebnisse sind können manche Dinge oder Handlungen angstvoll verknüpft sein. Denken wir mal daran, wie viele Menschen panische Angst vor Spinnen haben, obwohl diese Tiere uns überhaupt nicht gefährlich werden können (von Giftspinnen mal abgesehen).  Trotzdem treibt eine Spinne an der Wand, diese Menschen aus dem Haus und es hilft ihnen auch nicht, wenn wir ihnen sagen: Spinnen sind nicht gefährlich – schau mal, wie sie über meine Hand krabbelt.

Ängste abbauen, ohne Stress

Da Stress, dem Lernen abträglich ist, geht man heute anders vor. Der Mensch darf nun selbst aussuchen, wie die Konfrontation mit dem Angstobjekt aussehen soll. Beispielsweise: Ich nähere mich einer toten Spinne unter Glas auf 5 Meter. Kann ich dies ertragen verkürze ich die Entfernung, wenn nicht verlasse ich wieder den Raum. Diese Selbstbestimmtheit und die Gewissheit, das man jederzeit wieder den Rückzug antreten kann, macht den Menschen mutig.

Genau auf diesem Prinzip funktioniert auch das Kooperationssignal auch Initiatorsignal genannt beim Tier und in unserem Fall beim Pferd. Die Methodik basiert auf dem Clickertraining und wird sehr oft beim Medical Training eingesetzt. Bei dieser Technik, wird eine einfache Handlung des Pferdes sehr hochwertig und hochfrequent belohnt, damit das Verhalten gerne gezeigt wird.  Je nach Herausforderung kann das  Kopfsenken eine Möglichkeit sein, aber auch ein stationäres Target berühren, auf einem Bodentarget stehen usw. usw. Mein Islandwallach Vinur hat sich „Ich lege meine Nase in deine Hand“ ausgesucht, weil wir dies oft machen, um ihn zu beruhigen, wenn er sehr angespannt und zappelig ist. (Ruhe-Target, dazu werde ich auch noch was schreiben :-))

YouTube-Video zum Thema Kooperationssignal: 

 

Trainingsplan für das Kooperationssignal bei einem Angstobjekt:

  • Ich baue das Kooperationssignal in unserem Fall, Pylone mit der Nase berühren auf.
  • Sobald das Pferd, die Nase an die Pylone legt, beginne ich mich mit dem Angstobjekt zu nähern, wenn der Kopf hochschnellt. Entferne ich die Rettungsdecke sofort wieder.
  • Geht die Nase wieder zum Target, kommt die Decke wieder. Wenn das Pferd den Gegenstand in unserem Fall, die Rettungsdecke auf 5 Meter Abstand erträgt, gibt es Click und Keks.  Bleibt die Nase am Target, wird der Abstand zwischen Angstobjekt und Pferd weiter verkürzt. (Hierbei kann man sehr gut nach den Prinzipien des Ampeltrainings vorgehen.)
  • Das Pferd braucht also nur mit dem Kopf hochschnellen und der Angstgegenstand verschwindet augenblicklich. Nun würde man denken, das Pferd würde nun nicht mehr das Kooperationssignal geben, um nicht mehr mit dem Angstgegenstand konfrontiert zu werden, aber genau das Gegenteil ist der Fall, das Pferd wird immer mutiger.
  • So kann das Pferd selbst bestimmen, wieviel Angst zu diesem Zeitpunkt erträgt. Es ist oft erstaunlich, wieviel Furcht die Pferde auf sich nehmen, wenn sie wissen, das sie die Prozedur jederzeit beenden können.

Eine Desensibilisierung mit dem Kooperationssignal geht viel schneller und ist viel nachhaltiger, als die einfache Konfrontationtherapie. Arbeitet man jedoch mit einem Kooperationssignal sind solche Herausforderungen für Mensch und Pferd ein großer Spass und das gemeinsamen Training macht viel Freude.

Links

Für weitere Informationen zur Konditionierung auf den Clicker und die Arbeit mit dem Target-Stab, schauen Sie doch mal in mein YouTube Video zum Thema: Das Training mit dem Target-Stick

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